„Wieder ein Teil der Gesellschaft sein“ – Ein Tag mit Frau W. im avanta Lettershop

Ein Interview mit Frau W., Teilnehmerin der Maßnahme Arbeitsgelegenheit (AGH) bei avanta München e. V.

Seit April arbeitet Frau W. im Rahmen einer Arbeitsgelegenheit bei avanta. Die 30-Jährige ist alleinerziehende Mutter eines dreijährigen Sohnes und seit kurzem Teil des Teams im avanta Lettershop in der Auftragsbearbeitung. Der avanta Lettershop ist ein Dienstleister für manuelle Konfektionierung und individuelle Mailings und bietet im geschützten Rahmen Trainings- und Arbeitsmöglichkeiten für benachteiligte Frauen an. Wir haben sie einen Tag lang begleitet und mit ihr über ihre Arbeit, ihre Motivation und ihre Pläne gesprochen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
Ich arbeite von 9 Uhr bis 13:30 Uhr. Ich starte um 9 Uhr, dann gibt es erstmal ein kurzes Treffen mit den Arbeitsanleiterinnen. Dort wird besprochen, was heute ansteht und wie wir uns in Gruppen aufteilen, um die verschiedenen Aufträge abzuarbeiten. Danach geht’s direkt los, gerade verpacken wir Schokolade, falzen Briefe oder kuvertieren Broschüren für ein Kulturzentrum.

Die einzelnen Arbeitsschritte eines jeden Auftrages sind oft eintönig, aber dafür sind die Aufträge sehr abwechslungsreich über die Wochen hinweg. Um halb zehn gibt es eine kurze, bezahlte Pause – das ist nett. Im Moment arbeite ich 18 Stunden pro Woche, aber die Stunden steigere ich bald auf 25 bis 30 Stunden.

Gab es etwas, das Ihnen zu Beginn schwergefallen ist?
Ich hatte Bedenken, ob ich den Wiedereinstieg gut meistere. Aber die Arbeit fiel mir schnell leicht – vor allem, weil ich sie mit dem Familienalltag gut unter einen Hut bekomme. Ich habe gemerkt, dass ich mir mehr zutrauen kann und dass ich mehr schaffe, als ich dachte.

Was gefällt Ihnen besonders an der Arbeit bei avanta?
Ich habe gelernt, dranzubleiben, auch wenn die Aufgaben mal langwierig sind. Dieses Durchhaltevermögen hatte ich so vorher nicht. Die Arbeit selbst ist klar strukturiert, manchmal etwas eintönig, aber das gehört dazu. Besonders schätze ich, wie harmonisch das Miteinander hier ist.

Ich hatte anfangs Bedenken, wie es wohl ist, in einem reinen Frauenbetrieb zu arbeiten, man hört ja manchmal Klischees. Aber das hat sich überhaupt nicht bestätigt. Alle sind freundlich und respektvoll und es ist spannend, mit ganz unterschiedlichen Frauen ins Gespräch zu kommen. Besonders schön finde ich, dass hier Frauen aus ganz unterschiedlichen Altersgruppen und Lebenssituationen zusammenkommen. Man lernt voneinander, tauscht sich aus und fühlt sich akzeptiert – so wie man ist. Es tut gut, mit anderen zu sprechen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Hier ist niemand komisch oder abwertend, jede wird akzeptiert.

Was war für Sie der Grund, ins AGH-Projekt einzusteigen?
Ich wollte wieder arbeiten, etwas beitragen, wieder dazugehören. Es fühlt sich gut an, am Ende des Tages sagen zu können: Ich habe heute etwas gemacht.

Ich war eine Zeit lang zu Hause mit meinem Sohn. Als alleinerziehende Mutter ohne familiäre Unterstützung war es eine große Herausforderung den Weg in eine Beschäftigung zu suchen. Jetzt habe ich einen Kitaplatz und endlich auch wieder einen geregelten Alltag. Es ist ein gutes Gefühl, wieder einen geregelten Tagesablauf und einen festen Rhythmus zu haben. Als ich noch zu Hause bei meinem Kind war, hatte ich natürlich auch viel zu tun, aber die Struktur und Verlässlichkeit einer beruflichen Tätigkeit bringen eine ganz andere Qualität in den Alltag.“

Was ist Ihr Ziel für die Zukunft?
Ich möchte gern bei avanta eine Umschulung zur Kauffrau für Büromanagement machen und dann langfristig in den allgemeinen Arbeitsmarkt einsteigen. Ich bin motiviert und weiß, dass ich es schaffen kann.

Was würden Sie anderen Frauen sagen, die in einer ähnlichen Situation sind?
Einfach probieren! Es gibt immer Zweifel. Ich hatte auch Angst, dass ich es nicht schaffe. Vor allem mit Kind. Kita, Arbeit, Kind wieder abholen, Haushalt – das ist viel. Aber ich habe gesehen: Es funktioniert. Und es lohnt sich.

Was finden Sie toll an avanta?

Als Alleinerziehende ist es oft schwieriger, eine passende Arbeit zu finden, man ist stärker eingebunden und weniger flexibel als andere Beschäftigte. Viele Arbeitgeber bevorzugen Frauen ohne Betreuungspflichten oder mit mehr familiärer Unterstützung. Umso mehr schätze ich, dass avanta mir die Möglichkeit gibt, mich beruflich auszuprobieren und weiterzubilden. Besonders positiv ist für mich, wie verständnisvoll hier auf die besonderen Herausforderungen von alleinerziehenden Frauen eingegangen wird. Es tut gut zu erleben, dass unsere Lebensrealität gesehen und respektiert wird.

Mit dem AGH-Projekt bietet avanta München e. V. Frauen wie Frau W. eine Perspektive: durch sinnstiftende Arbeit, wertschätzende Begleitung und echte Entwicklungsmöglichkeiten. Für mehr Teilhabe und neue Chancen.

Mehr zum Projekt: https://www.avanta-muenchen.de/beschaeftigung/arbeitsgelegenheiten/